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Tag 15 - Tag der Entspannung II
Sonntag (6.7.08)
Breitlahner → Schlegeisspeicher → Lavitzalm →
Pfitscher-Joch-Haus
Unterkunft: Pfitscher-Joch-Haus

Huette:
Essen:
Fruehstueck:
Schlafplatz:
Gemuetlichkeit:
Empfehlung:
Der wunderbare Weg hoch zum Schlegeisspeicher
Fuer Atheisten sollte man so einen Tag einfuehren: "Tag der Entspannung". Und zwar exklusiv fuer Atheisten! Der Feiertag der Gottlosen. Oder gleich Monat der Entspannung. Naja - zurueck zum Wesentlichen. Wie schon die letzten Tage: 8 Uhr Aufstehen, 8:30 Uhr Fressen, ca. 9 Uhr Abmarsch. Gestern ging ich schon um 21 Uhr ins Bett. Ich fuehlte mich wie erschlagen. Ich wusste ja schon, dass ich durch Wandern meine Muedigkeit ueberwinden kann, aber nicht, dass ich tatsaechlich so fertig war, dass ich auf der Terrasse des Breitlahner kurz auf dem Tisch eingepennt bin. Dafuer lief das Aufstehen fluessiger.

muh
Die anfaengliche Wegfindung verlief etwas schwer, da ich der Beschilderung "Schlegeis" welche in die entgegengesetzte Richtung zeigte nicht wirklich vertraute. Der Weg machte allerdings spaeter eine Kehre und so war ich wieder richtig. Sowas waere auch eines meiner Horrorszenarien, wenn ich weit oben im Gebirge bin: Dass jemand die Wegbeschilderung verdreht. Heute war ich zu faul, die Wanderkarte herauszukramen und irgendwie ist es schoener zu laufen, wenn man nicht immer auf die Karte schaut. So lief ich mal wieder weiter und weiter (was auch sonst). Ueber herrliche Wanderwege und immer dem Gedanken im Kopf, dass diese seltsamen Autofahrer 10 Euro Maut zahlten, um diesem schoenen Weg zu entkommen. Eine seltsame Teilmenge der Menschheit. Durch eine Schlucht getrennt sah ich so auf die sich schnell bewegenden Blechkisten mit Fleischinhalt (offiziell sind wir ja Sondermuell) herab. Die Felsen erinnerten mich mehr und mehr an die Dolomiten. Riesige Felsbrocken klafften hier und dort heraus. Wie von Menschenhand geschaffen. In Wirklichkeit aber deren Meister und Gott: Die Natur. Leider kreuzte mein Wanderweg den der Autobahn exponentiellen Grades. Wenn die Autobahn direkt in die Schlucht geendet haette, waere mir das auch Wurst gewesen. Dann folgte ich eben der Autobahn. Dem links abzweigenden Trampelpfad vertraute ich nicht so ganz. Nachdem ich jedoch nach 5 Minuten Asphalthatsch feststellen musste, dass der Trampelpfad doch staendig weitergeht und Richtung Damm laeuft, packte ich die erste Moeglichkeit, wieder zum offiziellen Wanderweg abzustechen. Der fuehrte wieder etwas entfernt von der Strasse neben dem Fluss. Ach wie herrlich, wenn nicht dieses potthaessliche Betonteil vor mir in die Luft klaffen wuerde. Im Gegensatz zu M-V wurde ich dieses Mal nicht vom Anblick des Damms heimtueckisch ueberrascht. Zum Glueck entschaedigte mich der herrliche Weg fuer den graesslichen Anblick. Wie mir gestern schon zugetragen wurde, gab's auch Bungee-Jumping vom Damm. Die Leute huepften schon fleissig herunter. Na Mahlzeit - noch ein Stueck Muell mehr in den Bergen. Fast direkt vor dem Damm schlaengelte sich der Wanderweg hoch. Dieses Mal war er endlich angeschrieben. Schon die ganze Zeit hab ich das Gefuehl, dass der Via-Alpina von Triest nach Monaco super ausgeschildert ist, andersherum aber ueberhaupt nicht (z. B. wie man von der Rastkogelhuette nach Finkenberg kommt). 100 Hoehenmeter und einen Kampfschrei einer Bungee-Jumperin reicher war ich oberhalb des Damms. Genau bei der Dominikushuette, wo ich bei Muenchen-Venedig nur von oben und nicht von unten herausgekommen bin. Von der Dominikushuette aus konnte ich auch auf den Gletscher des Hochfeilers blicken sowie auf riessige Schneemassen, die meine Befuerchtungen fuer die Gliederscharte noch steigerten. Aber's hilft ja nix. Horst der Bergschuh-Ski-Fahrer haette da oben sicher seine reinste Freude grin. Nungut, ich wollte ja noch zur Lavitzalm, zuvor aber noch was trinken. Ab zu so 'nem Restaurant am See! Von den Preisen erschrocken fluechtete ich dort gleich wieder (also von den Wert-Preisen sad ). Dann probierte ich's am Kiosk. Der war zwar billiger aber 3,50 € fuer ein Spezi ist doch eine Frechheit. Das Wasser in meinen Trinkflaschen schmeckte mir da um so besser!!!

Die Lavitzalm
Also auf zur Lavitzalm. Es ist immer wieder beeindruckend, wie sich die Landschaft im Vergleich zum letzten Mal veraendert zu haben scheint. Bei M-V haette ich jetzt auch die Haelfte der Tour hinter mir. Nun ist es nicht mal ein Drittel sad. Von der Ferne sah ich bereits die Lavitzalm. Den Weg verschoenerten mir riessige Wasserfaelle, die in weiter Ferne von der rechten Gebirgsseite herunterstuerzten und in den haesslichen Schlegeisspeicher flossen. Ein paar Touristen weiter [ueberholt] erreichte ich dann die Lavitzalm. Erst mal ein Wasser, dann Radler, dann Hauswurst. Mein Magen knurrte mittlerweile - trotz der Kaesesemmel, die ich mir wieder vom Fruehstueckstisch mitnahm. Schade war, dass die neuen Leute anscheinend die Preise erhoeht haben. Trotzdem war es dort noch gemuetlich und sowieso billiger als bei den anderen Touristenabsteigen. Weiter unten im Tal meinte jemand, dass das Zelt noch stehen wuerde, in dem ich und Tripple F auf der Lavitzalm geschlafen haben. Nur war das nicht mehr das urspruengliche Zelt, sondern wirklich ein Kinder-Spiel-Zelt, in dem ich hoechstens in der Foetushaltung Platz gefunden haette, geschweige denn 2 Personen. Der wird sich seinen Teil gedacht haben *gg*. In diesem Areal faengt es auch schon wieder an, dass ich die Leute nicht mehr richtig verstehe. Der Dialekt klingt fuer mich wie Kauderwelsch und auch die Kinder der Kauderwelscher sprechen Kaudawelsisch. Auf dem Weg zur Alm fing es bereits zu regnen an und als ich meinte, es hoert auf lief ich wieder los, in weisser Voraussicht schon in Regenklamotten. Wie erwartet fing es gleich an zu schuetten aber das Pfitscher-Joch-Haus erreichte ich schon nach 30 Minuten.
Italia!
Auf dem Weg schoben noch Mountainbiker ihr Fahrrad den Berg hoch und brauchten dafuer auch noch laenger als ich. Wie scheisse kann man konditioniert sein, wenn meine schon unter aller Sau ist [und ich noch einen Rucksack auf dem Ruecken mitschleppe]?!? Soll'n die doch gleich im Tal bleiben! Beim Pfitscher-Joch-Haus angekommen holte ich mir erst mal einen Schlafplatz. Die Huette ist leider keine Alpenvereinshuette :-/. Dafuer bietet sie aber alles zum Wohlfuehlen: Warme Dusche und sogar einen Trockner 4free! Und erst die eine junge Wirtin! Wenn ich das schon letztes Jahr gewusst haette, haetten wir ganz sicher nicht in dem Zelt uebernachtet smile.

PS: Beim Breitlahner muessen alle Bewohner depressiv sein. Sogar fuer mich als Informatiker war es bedrueckend, wie frueh die Sonne hinter einem Kamm verschwunden war und wie spaet sie wieder hervor kam - bei mir erst, als ich schon eine halbe Stunde bergaufwaerts gehatscht bin!