Tag 26 - Maddl vs. Weather
Donnerstag (17.7.08)
Sillianer Huette → Obstanser-See-Huette →
Standschuetzenhuette
Standschuetzenhuette
Unterkunft: Standschuetzenhuette
Huette:
Essen:
Fruehstueck:
Schlafplatz:
Gemuetlichkeit:
Empfehlung:
In der Frueh gab es nach kurzem wieder Radau. Diese bloeden Arschloecher. Irgendwann steh ich um 6 Uhr auf mit dem ganzen Rucksack voll mit den am lautest raschelnden Plastiktueten, mit denen ich mindestens eine Stunde herumspiele. Was ist das bitte fuer ein assoziales Verhalten?!? Das Fruehstueck war deshalb um so besser: Meine Eltern zahlten mir schon am Tag vorher das Luxus deluxe Fruehstueck mit geraeuchertem Schinken. Um 8:30 Uhr hatschte ich dann auch schon auf dem Hoehenweg los. Viel gab es nicht zu sehen. Die Sicht betrug meistens weniger als 20 Meter, so dass es fast ein Wunder war, dass ich fast alle Wegmarkierungen wahrnehmen konnte. Einmal kam ich bei einer kleine Scharte ohne Markierstein heraus. Weiter unten konnte ich dann wieder eine Markierung entdecken. Nachdem ich ein Steinmaennchen muehevollst aufgebaut hatte, musste ich bedauerlich feststellen, dass ich vom Weg abgekommen war und mein huebsches Steinmaennchen meinem Fusstritt zum Opfer fallen musste
Zu sehen gab es trotz der schlechten Sicht etwas: Eine Kriegergrabstaette sowie haufenweise zusammengefallene Befestigungen aus dem 1. Weltkrieg. Der Weg war endlich mal wieder nur fuer's Wandern. Ab und zu ging's nur "auf allen Vieren" weiter [kraxeln]. Wegen dem Nebel hatte ich auch oft das Gefuehl, um eine der vielen Spitzen herumzulaufen und anschliessend auf einem Weg zurueck zum Ursprung zu sein. Zwei parallele Wege liefen ja ueber den Grat. Um mich zu beruhigen und um sicher zu sein, dass ich wirklich in die richtige Richtung laufe (davon ging ich eben nicht aus), packte ich meinen Kompass aus und natuerlich lief ich in die richtige Richtung. Ich fuehlte mich wie in einer grenzenlosen Wueste ohne jegliche Moeglichkeit der Orientierung [Eine bessere Beschreibung waere aus der kuenstlichen Intelligenz, bei der man nur die naechstliegenden Werte verwendet, um das lokale Minimum eines Problems zu finden]. Der Wegverlauf in der Karte taeuschte auch. Es ging staendig links und rechts, auf und ab. Trotzdem erreichte ich die Obstanser-See-Huette nach ca. 2,5 Stunden. Eine Stunde frueher als angeschrieben war. Kein Wunder, da ich schon ueber 3 Wochen unterwegs bin und oft genug ueber 2000m Hoehenluft schnupperte. Bei der Huette riss kurz der Nebel auf, so dass ich die Huette schon von 100 Metern sehen konnte. Was fuer eine Schoenheit nach all der bitteren Kaelte und dem kalten Wind, der mir immer entgegen bliess, wenn ich ihm auf der italienischen Seite ausgesetzt war. Der Weg verlaeuft die kommenden Tage entlang der Oesterreichisch-Italienisch Grenze. Ein anderer Name fuer den Weg ist "Friedensweg", da im ersten Weltkrieg hier die Front verlief. In der Obstanser-See-Huette angekommen tankte ich neue Kraefte. Es war gerade erst mal 11 Uhr! Heisser Tee mit Zitrone ist bei diesem Wetter wie selbstverstaendlich, dazu noch ein Radler sowie eine Gulaschsuppe. Die beste Gulaschsuppe, die ich bisher auf der Tour bekam! Kurz vor 12 stroemte wieder das Touristenpack vom Vortag von der Sillianer Huette herein [die ueberholte ich unterwegs]. Bloss weg von hier! Naechste Station: Standschuetzenhuette. Laut Wirtin soll der Weg ueber den Gipfel um eine Stunde schneller sein. Das Wetter hielt sich noch ruhig. Bis auf den starken Suedwind und den Nebel sah alles noch gut aus. Da der Wetterbericht meinte, dass es spaeter schlechter werden wuerde, huellte ich mich in meiner jetzt vollstaendigen Regenmontur ein. Schon nach den ersten Hoehenmetern nieselte es leicht, was mich herzhaft wenig interessierte. Mir war's pudel warm, da ich auch meine Handschuhe anzog. Der Regenschutz fuer meine Hose machte sich schon bewaehrt
Stand mir jetzt ein Gewitter bevor? Ein paar Minuten hielt ich inne, lief dann aber weiter. Beim ersten richtigen Donnerschlag wuerde ich umkehren, aber es kam keiner mehr. Meine einzige Befuerchtung war, dass mich dieser erste Blitz treffen wuerde. Zurueck zur Huette wollte ich schon alleine wegen den Touristen nicht! Der Aufstieg wollte nicht enden. Es sind eigentlich nur knapp 500 Hoehenmetern, aber der Nebel beraubte mich jedes Hoehenmeter-Gefuehls. Nach der ersten Weggabelung kam mir ein anderer Wanderer entgegen der meinte, dass Spitze nur noch 5 bis 10 Minuten entfernt sei. Selbst diese Zeit kam mir wie eine Ewigkeit vor. Doch irgendwann tauchte das Gipfelkreuz im Nebel auf. Endlich oben! Hoeher komme ich heute nicht mehr. Ein Bild vom Kreuz wollte ich doch noch haben. Direkt vordem Endstueck des Blitzableiters packe ich meine Kamera aus dem Rucksack, um wenigstens noch ein Foto von meinem Bruns-Gipfel-Erfolg zu haben (Pfannspitze, 2678 m). Wenn zu diesem Zeitpunkt ein Blitz eingeschlagen haette, waeren meine Fuesse perfekt durch. Jetzt kann ich darueber schmunzeln