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Tag 28 - Zeit ist relativ
Samstag (19.7.08)
Pfuerzehuette → Hochweisssteinhaus
Unterkunft: Hochweisssteinhaus

Huette:
Essen:
Fruehstueck:
Schlafplatz:
Gemuetlichkeit:
Empfehlung:
Der Hoehenweg wie ein Strich in der Landschaft
Puenktlich um 10 Uhr war gestern Huettenruhe, aber nicht weil der Wirt das sagte sondern die Leute hielten sich freiwillig daran und huschten artig ins Bett - genauso wie ich. Heute stand der grosse Hatsch bevor! Da ich auch noch Kakteen in fluessiger Form pflanzte, war mein Kreislauf ziemlich im Eimer. Entweder lag es am Vollmond, an den Schnarchern oder einfach an mir: Ich brachte keine Auge zu. In der Frueh standen dann schon die ersten um kurz vor 6 Uhr auf und bald darauf wurde sich im Lager ganz normal unterhalten. Das bloede ist, dass ich mich nicht mal bei diesen Tieren raechen kann, weil es auch Unschuldige erwischen wuerde. Genervt stand ich dann eben auch auf. Schaden kann's nicht. Das Fruehstueck wurde schnell reingestopft, ein Brot als Proviant mitgenommen, der Rucksack gepackt, die noch nassen Kleidungsstuecke auf meinen Rucksack fixiert und ganz wichtig: Wasservorrat auffuellen. Meine urspruengliche Planung, ca. 400 HM unter dem Hoehenweg ueber die Variante zu gehen verschmiss ich am Vorabend wieder, da auch die Belgier (diese hielt ich irrtuemlich fuer Hollaendern) ueber den Weg gehen und ich so nicht alleine fuer den Fall eines Wetterumschwunges waere. Der Wetterbericht meinte auch, dass das Wetter auf jeden Fall vormittags noch gut sein sollte. Wegen meinem drecks Kreislauf schmiss ich mir wieder Dextro rein und trank gleich eine der Eisen-Trinktabletten nachdem ich als letzter losgegangen bin und nach den ersten 150 HM die Touristengruppe gleich ueberholt hatte, ging's mir wieder besser. So war ich wieder auf dem Grat unterwegs, ueberholte noch die richtigen Bergsteiger aus der Huette und schaltete bei mir das Schwungrad ein. Alles lief wie geschmiert. Wegen dem starken Wind zog ich mir noch mein Fliess an und lief weiter von Gipfel zu Scharte, Scharte zu Steig, Steig zu gesichertem Steig und nach ca. zwei drittel der Strecke kam mir der ersten von dem Hochweisssteinhaus entgegen. Mein Ziel war es, die vorgegebenen 8,5 h zu 6 h schrumpfen zu lassen. Was die letzten Tage gelappt hat, musste auch heute funktionieren. Natuerlich vergass ich nicht, die umringenden Gebirge anzuschauen. Gerade die suedlich liegenden Dolomiten waren einen Blick wert, da sie in architektonisch scheinbar unmoeglichen Formen in die Hoehe wuchsen. Meine Pause legte ich nach 3 Stunden beim Mitterkar ein. 15 Minuten um zu futtern, viel zu trinken und meinen kleinen Zeher zu betrachten. Heute musste ich mich regelrecht dazu zwingen, etwas zu trinken. Mein kleiner Zeher sah so aus wie ich es erwartet hatte: Wie schon beim Abstieg von der Drei-Zinnen-Huette hatte ich einen Riss neben dem Nagelbett [Die durch meine vorherigen Verletzungen verhaertete Haut ist in's Nagelbett aufgeplatzt]. Solange der Zeher nicht abfliegt machte das nix. Aber meine Schuhe wurden diese Nacht nicht nur annaehernd trocken. Ganz im Gegenteil meinte ich in einem See zu schwimmen. Die Socken konnte ich auch nicht wechseln, da diese vom Vortag noch nass waren und weiter ueber meine Stoecke gezogen am Rucksack hingen.

Alter Stacheldraht - vermutlich aus den Zeiten des Weltkriegs
Alleine war ich nicht: Staendig huschten putzige Murmeltiere herum, pfiffen ihren Warnschrei aus und rannten wie von der Biene gestochen ueber den Hang. Ich will so ein Viech! Ein Ersatz fuer meinen Wuschel waere es natuerlich nicht - auch wenn er schon wieder muffelt smile. Nach der kleinen Erholungspause wurde der Weg noch interessanter: Beinahe senkrecht ging es unterstuetzt durch sinnvolle Drahtseilsicherungen hoch. Der Weg ist nicht nur wegen der Kraxelei wunderschoen sondern auch wegen dem staendigen Ausblick, den ich heute endlich nach 2 Tagen Nebel geniesen kann. Eines muss man hoffen: Dass hier auf diesem idyllischen Friedensweg immerwaehrend Frieden herrscht. Ein paar Befestigungsueberreste sind auch noch auf dieser Strecke zu sehen. So schoen der Weg auch ist, war ich froh als der letzte Hoechstpunkt mit ca. 2500 Hoehenmeter bei der Steinkarspitze hinter mir lag und das auf und ab ein Ende hatte. Der Hochweissstein konnte man bereits von weiter Ferne sehen, der wie ein Felskonstrukt in mitten der Landschaft aussieht. Von dem Luggauer Toerl stand auch das Hochweisssteinhaus fast immerwaehrend vor mir - allerdings in gut einer Stunde Entfernung. Um die Torkarspitze herum fuehrte ein kleiner Wanderweg weiter zum Hochweissteinhaus. Mal ueber ein kleines Schneeueberbleibsel vom Winter, dass umgangen werden musste, mal ueber eine mit Kletterseilen gesicherte Stelle, bei der ich ohne die Sicherung sicher auf die Fresse gefallen waere.

Ein kleines Stueck Schnee kam auch noch
Mein froehlicher Gams aehnlicher Schritt wurde schlagartig unterbrochen als ich nen pechschwarzen Schwanz auf dem Wanderweg erblickte. Scheisse! Schlange! War das schon wieder ne Kreuzotter? Wegen meiner Geschwindigkeit war ich wieder nur einen Meter von der Schlange entfernt. Das Endstueck der Schlange folgte dem Rest ab in dichtes Gras und sie war verschwunden. So ganz traute ich dem Frieden nicht. Mit einem Stein warf ich etwas neben den Trampelpfad um zu testen ob das Drecksvieh wirklich verschwunden ist oder nur in Deckung ging und auf eine bissfeste Wade wartete. Und tatsaechlich zischte es aus dem Gras! Dieses bloede Drecksvieh! Drei weitere Steine flogen und ich stampfte staendig mit den Fuessen auf den Boden. Ich kann ja mit allem rechnen. Vom Steinschlag bis zum Blitz laesst sich alles einkalkulieren aber doch keine Schlange und ganz alleine macht so ein Schlangenbiss noch weniger Spass. Mit einem beherztem Sprung bestehend aus Angst und Hoffnung ueberging ich die brisante Stelle und machte noch ein paar rasche Schritte um auf Nummer sicher zu gehen. Genau auf sowas habe ich beim Wandern keine Lust aber wer nach Triest laufen will, muss auch mit Schlangen fertig werden smile. Das Hochweisssteinhaus erreichte ich ein paar Minuten spaeter und war verwundert, wie wenig hier los war. Trotz Mountainbike-Autobahn-Anbindung sassen nur ein paar Leute in der Huette. Mir sollte das nur recht sein. Auf dem Weg hoerte ich noch einen Alarm, den ich nur zu gut kannte: 12 Uhr, Samstag. Den Alarm hoerte man vom Tal bis hoch zum Grat. In der Huette zog ich wieder das alltaegliche Programm durch: Duschen, Waesche waschen, Schlafplatz herrichten, ... Ich weiss gar nicht, wie ich die Zeit totgeschlagen habe. Ich bin vor 2 Uhr angekommen und habe damit mein 6 Stunden Ziel ungefaehr erreicht. Zum Mittagessen goennte ich mir ne Bratwurst mit Sauerkraut und Kartoffelpueree. Bedenken, dass es hier schlecht schmecken koennte, hatte ich nicht. Das Haus war zu alt und zu gemuetlich, als dass es schlecht sein konnte. Abends gab's das auch schmackhafte Bergsteigeressen bestehend aus Knoedel mit Pilzen und als Nachtisch einen Lesachtaler Schafskaese. Den ganzen Abend hatte ich die Hoffnung, dass diese Touristen-Grattler in irgendeiner anderen Huette bleiben, da sie ueber die Variante des karnischen Hoehenwegs gehen, auf dem sie viele Almen und Huetten fanden. Um halb 8 wurde alle Hoffnung zunichte gemacht. Ein Teil von denen war im Anmarsch und setzte sich in der Huette angekommen auch noch an den Tisch neben mir. Nach einiger Zeit musste ich dann einsehen, dass die eigentlich ganz normal waren und nur einer so Rabatz machte: Vom Aussehen ist er wie Atze Schroeder in 40 Jahren [mit Dauergrinsen] und von der Sprache her ein Ur-Wiener. Na Mahlzeit. Jetzt kann ich mir noch den ganzen Abend den seine Gosche anhoeren :-/.