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Tag 39 - Die letzte Huette
Mittwoch (30.7.08)
Črna prst (Dom Zorka Jelinčiča) → Podbrdo →
Porezen (Dom Andreja Zvana-Borisa)
Unterkunft: Porezen

Huette:
Essen:
Fruehstueck:
Schlafplatz:
Gemuetlichkeit:
Empfehlung:
Dom Zorka Jelinčiča
Gestern Abend wurden die Geschehnisse in der Huette noch sehr interessant. Der Wirt hatte urspruenglich verstanden, dass ich von Muenchen aus mit dem Zug hierher gefahren bin und noch bis nach Triest laufen moechte. Als er dann erfahren hat, dass ich tatsaechlich in Muenchen losgelaufen bin, war er nicht schlecht ueberrascht smile. Er gab mir sogar 2 Aepfel und 2 Zitronen mit der Anmerkung, dass ich Vitamine fuer den restlichen Weg brauche und meinte, dass sie extra was fuer mich gekocht haetten, wenn sie das frueher gewusst haetten grin. Die Nacht verlief dank des langen Marsches fuer mich sehr ruhig. Als ich kurz nach 7 aus dem Fenster schaute, war die Sicht gleich null. Na dann lege ich mich wieder hin! Kurz vor 8 sah die Welt schon besser aus und ich machte mich fertig, fruehstueckte eine Kleinigkeit (2 fette Marmeladenbrote und eine Tasse Tee) und los ging's!

Der Blick zurueck zeigte mir wo ich aus Trenta aufgestiegen bin: Unterhalb Triglav, der hoechste Berg in Slowenien
Mit dem Regenwasser hatte ich 1,5 Liter dabei, das mit einer Einkehr zwischendurch locker reichen sollte. Bei der ersten Moeglichkeit zweigte ich gleich nach rechts ab, um auf dem Weg 1 zu bleiben. Nach 10 Minuten und vielen Hoehenmeter abwaerts fiel mir dann auf, dass ich auf dem Weg herunter nach Podbrdo war. Das war genau der Weg, den ich gestern als Alternative angedacht hatte aber wegen 300 Hoehenmeter mehr Differenz wieder verworfen hatte. Na was soll's. Zurueck gehe ich jetzt nicht mehr. Gestern ist mir auf dem Gipfel aufgefallen, dass ich meinen rechten Socken links herum trage. Heute zog ich ihn wieder links-herum an um den ganzen Dreck auf der "Aussenseite" von meinen gestrigen Rutscher nicht an den Fuss zu lassen. Sonst waere mein Schlafsack gleich verdreckt! Achja: Den falschen Weg hatte ich nur deshalb genommen, da auf der neuen Karte die Wege unter dem Text nicht gezeichnet sind und so uebersah ich, dass ich erst den zweiten rechts haette abzweigen muessen. Wie ich es vom flacheren Land bereits gewohnt bin, sind auch die Wegmarkierungen zu verfehlen. Erst hatschte ich eine Freiflaeche herunter, bis es ueber einen Wald auf eine Schotterstrasse und kurz darauf wieder auf einen schattigen Wanderweg ging, ab dem die Wegmarkierungen rar wurden. So folgte ich einfach den ausgetrampeltsten Wegen, die herabfuehrten und war sogleich im kleinen Vorort Trtnik, wo eine Strasse nach Podbrdo herunterfuehrte. 1250 Meter Abstieg sind jetzt hinter mir und 1080 m musste ich wieder hoch :-/.

Der Abstieg nach Podbrdo verlief anfangs noch auf einem schoenen Waldweg
Um den Start des Aufstieges nicht zu verpassen, ging ich zum Bahnhof. Leider verkauften die dort nichts zu trinken, dafuer sagte mir ein Angestellter, wo ich hin musste. Den Gleisen fuer 300 Meter folgend fuehrte der ausgeschilderte Weg links hoch und bei der ersten Abzweigung funktionierte meine vorherige Methode, den ausgetrampelsten Pfad zu folgen nicht. Ich landete nach 30 Metern auf einem Feld, kehrte um und folgte dem Zugewucherten, bei dem ich auch von Zeit zu Zeit eine Markierung fand. Wie auf der Karte kam ich bei der Strasse heraus, der ich weiter folgte. Porezen war gut ausgeschildert, auch wenn ich mir nicht sicher war, ob damit nicht vllt. die Haeuseransammlung Porezen gemeint war. Wegen dem Wasser war mir eines klar: Ich musste sehr stark haushalten. Zu dieser Zeit hatte ich nur noch weniger als einen Liter, der bei 1000 Hoehenmeter bei normaler Trinkgewohnheit nicht lange reichen wuerde. In Podbrdo stand 2,5 h zur Porezenspitze und die Huette befindet sich 40 Meter darunter. Heute stimmte auch etwas nicht mit mir. Vielleicht war es die Wasserknappheit, die mich so fertig machte. Mitten auf der Schotterstrasse im Schatten beschloss ich zu pausieren. Das Regenwasser schmeckt (vermutlich durch die Sonneneinstrahlung) dermassen abgestanden, dass es kaum herunter zu wuergen war. Meine 0,5 Liter Reserveflasche fuellte ich zur Griffbereitschaft in eine der Seitlichen um, verputzte einen Apfel und schaelte eine Zitrone um festzustellen, wie sauer diese schmeckt, wenn man sie wie eine Orange isst. Immerhin bedeutete das Fluessigkeit. Ein kleines Stueck Zitrone quetschte ich ins Regenwasser, um es einigermassen ertraeglich zu machen. 10 Minuten Pause sollten reichen. Endlich zweigte der Weg von der Strasse ab, was fuer mich gleichzeitig bedeutete, dass ich womoeglich falsch laufe, da dies ueberhaupt nicht mit meiner Karte uebereinstimmte. Mit dem geringen Wasservorrat darf ich mir keinen Verlaufer leisten. Der Weg im Wald war mir etwas unheimlich. Alles war zugewachsen und hinzu kam, dass teils hunderte von Meter kein Wegzeichen (ein rot umrandeter weisser Punkt) vorhanden war. Das einzige wo ich mir sicher sein konnte war, dass ein Weg nach oben wohl auch zum "Gipfel" fuehren wird. Eine Stunde und eine grosse Pause spaeter war das Regenwasser verbraucht und das noch saubere auf vllt. 300 ml geschrumpft. Was tu ich mir heute nur schon wieder an?!? Ab und zu war ich auf dem Weg von einem Summen umgeben, als stuende ich inmitten eines Schwarms Bienen. Dank des Waldes war ich auch nicht der prallen Sonne ausgeliefert, nur der Hitze :-/.

Der Moment, als mir ein Stein vom Herzen fiel: Die Porezen Huette war nur noch einen Katzensprung entfernt
Dann erreichte ich endlich einen Wegweiser, der mir Gewissheit verschaffte, dass ich nun richtig bin und mit einem Abgleich der Karte auch, wieviel Hoehenmeter noch zu laufen waren. Da der Wegweiser u. a. nach Hudajužna zeigte folgerte ich, dass ich bei der Hitze noch 500 Hoehenmeter vor mir hatte. Bei der naechsten Gelegenheit machte ich meine letzte Pause und ueberlegte, ob ich nicht vllt. lieber absteigen sollte. Ich fuehlte mich nicht gut, hatte erst die Haelfte hinter mir und lief auf diesem Weg wie von Menschen gemieden (Ich duschte mich erst vor 2 Tagen! sad ). Aber 's hilft nix. 20 Meter nach meinem Pausenlager, kurz bevor ich auf eine Wiese gelangte, sah ich dann die Huette, welche nur noch 150 Hoehenmeter entfernt war. Jetzt ergab es auch einen Sinn, warum ich so fertig war, obwohl es fuer mich ungewoehnlich war. Ich bin fast am heutigen Ziel. Der Rest lief sich wie von selbst. Ein paar Kuhabsperrungen musste ich noch ueberwinden, um endlich auf der Huette mein Wasser zu bekommen. 1,5 Liter glaubten zusammen mit einer Wurstsuppe als "Wurststueckchen mit Sauerkraut" daran - die hatte ich mir heute wieder verdient! Mehr Hoehenmeter an einem Tag sind jetzt wirklich nicht mehr zu machen. Von einer Frau, die auch auf der Via Alpina laeuft erfuhr ich zum Glueck, dass die naechste Huette geschlossen hat, sonst waere ich vor dieser gestanden und haette 7 h weiter nach Idrija laufen koennen! Eine andere Uebernachtungsmoeglichkeit ist nicht in der Karte eingezeichnet, weshalb meine Planung so aussieht, nach Cerkno abzusteigen (1300 HM runter), dann weiter nach Žellnic, um anschliessend ueber die Autobahn ewig lange und hoffentlich unfallfrei 20 km nach Idrija zu laufen. Falls die Strasse zu gefaehrlich erscheint (koennte schluchtmaessig sein), kann ich vllt. bei Žellnic uebernachten und am naechsten Tag ueber einen Wanderweg nach Idrija, der mir zusammen mit dem morgigen Hatsch zuviel waere.

Von einem kleinen Zipfel dort drueben bin ich heute gestartet - selbst die Huette konnte man noch sehen
Die Huette ist wie erwartet keine richtige Huette, sondern ein Haus auf einem Huegel. Erfreulicherweise kuemmert sich jemand noch darum, dass die Huette offen ist. Die Essensauswahl ist wieder mal der Wahnsinn: Eintopf und Eintopf mit Wurst smile. Heute kann ich Abschied davon nehmen. Ich werde auf keiner Huette mehr uebernachten bis ich in Triest bin! Auf dem ganzen Weg hoch hatte ich sehnsuechtig erwartet, dass es regnen wuerde oder von mir aus auch gewittern. Leider ist auch Abends nichts davon zu hoeren. Nur das Donnergrollen genau von dem Gebirge, von dem ich heute gekommen bin.