Tagebuchtage:
 
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Tag 31 - [Ueberschrift vergessen]
Dienstag (22.7.08)
Zollnerseehuette (Dr. Steinwender Huette) → Straninger Alm →
Nassfeld → Gasthof Plattner
Unterkunft: Gasthof Plattner

Huette:
Essen:
Fruehstueck:
Schlafplatz:
Gemuetlichkeit:
Empfehlung:
Der Zollnersee - rechts unten kann man erahnen, in wieviel Schlamm man waten muss
Mittlerweile wundert es mich, wie schnell ich vorankomme. Nicht, dass ich viele Etappen ueberspringen wuerde sondern einfach die gute Verteilung der Unterkuenfte und einigermassen geringe Hoehenmeter machen es moeglich, dass ich nach 2 Tagesetappen schon wieder fast laengst ueber die Karte gestiefelt bin. Morgen kann ich die letzte Kompass Karte hernehmen, bis dann endlich die Slowenischen dran sind. Ich freu mich darauf so unheimlich, weil der bisherige Weg kulturell nicht viel Abwechslung bot. Gestern Abend trank ich noch ein paar Bier. Alle gingen schon vor 10 Uhr ins Bett, auch der Wirt. Nur David, die Hilfskraft zockte an seinem Notebook bis ich mich mit ihm etwas unterhielt und eine Zigarette aus der zweiten Packung der bisherigen Tour rauchte. Ach wie fein, Bier und Zigaretten. Das ist wie ein Informatiker mit Computer und Kaffee smile. Urspruenglich hatte ich vor, mehr Wasser als Spezi oder Bier zu trinken, aber wenn man nicht gerade in Italien ist, kostet das Wasser fast genauso viel wie andere Getraenke.

Blick auf die Rattendorfer Alm sowie das Tal
Das Aufstehen fiel heute wohl jedem sehr schwer. Alle Leute sah ich nach 8 Uhr am Fruehstueckstisch. Ein aelteres Paerchen jammerte gestern ganz schoen ueber den heutigen Weg. Die werden ihre Freude an der Steigung haben, die sie heute zur Valentinalm haben werden ;-P. Als letzter verliess ich mal wieder die Huette - in Gedanken meine Checkliste der wichtigsten Dinge abhakend wie ich es schon seit Wochen machte: Geldbeutel, Karten, Tagebuch und natuerlich mein Wuschel grin. Alles andere war schnell nachgekauft, falls es wirklich hart auf hart kommen sollte. Meine Kamera und das Handy hatte ich wie immer vor mir an meinen Hueftgurt. Wie der Wirt uns gestern schon erklaert hatte, konnte auf dem Kalkboden das Wasser nicht richtig versickern. Dementsprechend sah auch der Weg aus. In weiser Voraussicht und auch wegen der kalten Aussentemperatur zog ich gleich meine lange Hose an, die bereits nach 5 Minuten komplett verdreckt war, nachdem ich mit meinem linken Schuh knoecheltief im Schlamm versunken bin. Das Wetter hielt aber soweit. Ich kann es kaum glauben, dass ich soviel ueber das Wetter vermelden mag, aber nach den letzten beiden Wochen freue ich mich ueber jeden trockenen Sonnenstrahl. Der Hennebergweg fuehrte mich anfangs meist in gleicher Hoehe vorbei am Zollnersee, der mich mehr an einen Sumpfteich erinnerte als an einen See, dann etwas steiler bergab zur Straninger Alm. In dieser Zeit holte ich auch die 2 Belgier auf, was mich einige Anstrengungen kostete. Die liefen so furchtbar schnell, wie ich bei Angst vor Blitz und Regen. Bei der Alm angekommen goennte ich mir wieder ein Radler um 10 Uhr morgens smile. Beim ueberaus reichlichen Fruehstueck packte ich mir keinen Proviant fuer unterwegs ein, da einige Almen angeblich auf dem Weg liegen sollten. Statt aber etwas zu essen, dachte ich an den "7 Bier sind auch ein Schnitzel"-Spruch und da sollte ein Radler auch den Apfelstrudel ersetzen. Mit meinem Energy-Drink hatte ich die Belgier auch schnell eingeholt (Der Weg hatte nur wenig Steigung) und Hein (der Mann des Ehepaares) wollte dann auf einmal auf den Hochwipfel hoch, der ihm einen Umweg und ca. 400 Hoehenmeter extra bescherte! Seine Frau meinte noch, dass er sehr fit ist und genau diesen Eindruck machte er auch. In seinem Rucksack befand sich auch noch Kocher und Zelt..... So ging ich mit seiner Frau weiter. Die beiden waren einfach richtige Bergsteiger nach meinem Geschmack mit denen ich gerne lief.

Unterwegs auf dem Hoehenweg
In der Naehe des Rattendorfer Sattels hatte ich einen herrlichen Blick runter ins Tal und zu den noerdlichen Gebirgen. Zur Rattendorfer Alm wollte ich nicht hinunter, das waeren schon wieder 250 Hoehenmeter extra und in der Huette wurde uns gesagt, dass der Weg 7 bis 8 Stunden dauern wird. Der Weg ueberraschte mich mit der ploetzlichen steilen Stelle, die 50 Meter "fast" senkrecht nach oben fuehrte. Weiter des Weges stand auch Alta Via, so dass ich wieder sicher sein konnte, Hoehenluft zu schnuppern. 200 Meter ueber dem lokalen Minimum wanderte man so entlang des Trogkofel. Dann kamen mir andere Wanderer entgegen, die einen Hund bei sich hatten. Noch dachte ich an nichts schlimmes. Wenige Zeit spaeter drehte ich mich nach dem Gerufe vom Herrchen um der wollte, dass der Hund zu ihm kam. Die scheiss Dreckstoele hatte aber nichts besseres zu tun als einen Murmeltierbau bellend zu belagern, so dass ich dem Herrchen zurief, dass er den Hund an die Leine nehmen sollte, weil hier viele Murmeltiere sind. Da ich nicht mehr machen konnte (der Hund war ca. 50 Meter abseits des Weges), lief ich weiter. Wenn der Hund auf das Wort des Herrchens hoeren wuerde, braeuchte es keine Leine, aber so gehoert sich das Viech an die Leine. Von Hein, der noch immer nicht aufgeholt hatte, erfuhr ich spaeter, dass diese Arschloecher von Touristen den Hund spaeter auch nicht an der Leine hatten. Solche Leute soll 'ne Gletscherspalte erwischen und zum Ueberleben sollten die ihren eigenen Hund fressen muessen.

Flachland!!!
Bald erreichte ich wieder eine unbeschilderte Gabelung. Danke Italiener! Mit der Karte war der richtige Weg gleich ausfindig gemacht. Kaum war ich ueber dem Kamm ueber den ich ins naechste Tal blicken konnte, stand ich zwar vor einem Schilderwald aber der karnische Hoehenwegweiser zeigte keine Richtung an. Ach drauf geschissen! Schon kurz nach Beginn der Tour stach mir ein Kacktus in den Bauch, der jetzt endgueltig herausmusste. Meine Klostelle war dann seltsam oft benutzt: Hinter ein paar grossen Steinen fand ich beim pflanzen noch viel Papier von den vor mir pflanztechnisch begabten Leuten. Offensichtlich ein beschissener Platz mit beschissener Beschilderung grin. Nassfeld war noch nicht erreicht. Um eine Pflanze erleichtert, musste ich erst etwas absteigen und meine Wegentscheidung schien richtig zu sein. Lediglich die Wegnummerierung brachte in mir Unruhe vor. Da stand 402 statt 403. Koennen die Oesterreicher nicht bis 403 zaehlen oder bin ich auf dem falschen Weg? Verwundert war ich sowieso, dass noch ein Wanderweg herab fuehrte. Ueberall sah man Autobahnen, Baustellen und drecks Gondeln. Der Weg schien doch richtig zu sein, da Schilder mit KHW herumstanden (Ich war wieder auf oesterreichischer Seite). Ueber einen Wanderweg hatte ich mich zu frueh gefreut. Bald kam ich auf eine Autobahn, die mich vorbei an dem Hoehenrestaurant zu 'ner Ein-Schienen-Strecke fuehrte, auf der Leute in Einzelsitzen mit Bremshebel nach unten fahren konnten. Ich bin mir gerade zu sicher, dass man mit einer Rohrschelle mindestens negative 3 G herausholen koennte grin. Von der kleinen Erhoehung musste ich wieder 150 Meter runter nach Nassfeld. Der noch in der 2005er Kompasskarte ausgewiesene Wanderweg hat sich wie schon zuvor in eine Autobahn verwandelt :-/. All die Natur zunichte gemacht. Auf dem letzten Abstieg huschten auch die Schatten der ueber mich gleitenden Todesengel vorrueber. Seltsame Touristengestalten liefen mir auch noch entgegen, die doch nur mit Schienen-Fahrt nach unten fahren wollten [keine Ahnung, was ich da meinte]. Dann erreichte ich den Pass, bei dem ich prompt nach Richtungsweiser herunter zum Plattner Gasthof lief. Nur musste ich doch etwas hoch. Nach 100 Metern kehrte ich also wieder um und da stand ein Wegweiser vom Plattner Gasthof, der ganz sicher richtig war und in 15 Minuten erreichte ich diesen endlich.

Die Waschsession
Meine Fuesse schmerzten heute mal wieder. Die letzten 4 Tage waren wirklich anstrengend. Ich weiss nicht, ob ich wie bisher geplant die folgenden 2 Etappen wieder zusammenlegen werde. Meine Fuesse zeigen auch Risswunden an den Fersen wie am Anfang der Muenchen-Triest Tour. Meine Wandersocken sind nicht mehr so flauschig weich im Vergleich zu deren Neuzustand nach dem Kauf in Murnau sad. Auch die Strumpfhose meiner Mutter lag - durch die heutige Tour - in Fetzen vor. Eine ist noch uebrig! Der Plattner Gasthof hatte einen Vorteil im Vergleich zu den letzten Huetten: Wie schon bei der Valentinalm heisse Dusche 4free und die nutzte ich eine halbe Stunde. Ein Matratzenlager bot der Gasthof fuer die Wanderer auch. Nach meiner ueblichen abendlichen Vorbereitungsprozedur (Waschen, Lager fertig machen) waren zu meiner Freude auch die 2 Belgier hier. Die Frau wollte auf ihren Mann an einer Stelle warten, so dass ich alleine weiterging und ihr noch sagte, dass ich beim "Plattner" sein werde. Ach war das schoen, die bekannten Gesichter wieder zu sehen. Leider gehen die morgen nicht mehr weiter :-/. Ich hab sogar ein Matratzenlager fuer mich alleine! Wird das einsam. Morgen frueh sehe ich dann die Belgier zum letzten Mal beim Fruehstueck *schnief*. Mit dem Trinkgeld bin ich auch richtig knausrig - ein Student hat gerade beim Weitwandern nicht viel Geld!

Jeder Gedanke an die ersten Tage meiner Wanderung erscheint mir mittlerweile wie ein unwirklicher Traum, der genauso nah wie ewig fern erscheint.

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Zur Abwechslung nochmal ausfuehrlich der Witz des Tages:
Wieso sind auf dem 403 ein paar Markierungen mit 402 beschriftet? Weil die Oesterreicher nicht bis 403 zaehlen koennen grin.